Nach ergiebigen Regenfällen von ca. 40 Liter auf den Quadratmeter innerhalb einer Stunde standen mehrere Keller und Strassen teilweise bis zu 70 Zentimeter unter Wasser.Die Feuerwehren Niebüll-Deezbüll und Langstoft waren bis 22 Uhr im Dauereinsatz. Zur zusätzlichen Hilfe wurde das Technische Hilfswerk aus Niebüll dazu alarmiert.
Bericht der SHZ:
Was als leichter Regen gegen 13 Uhr begann, sollte nur kurze Zeit später die Freiwilligen Feuerwehren in ganz Südtondern beschäftigen. Um 14.25 Uhr setzten Starkregen und Gewitter ein. "In 15 Minuten regnete es 29 Millimeter", berichtete Gerd Müller von der Niebüller Wetterstation. Der 63-Jährige ist seit 1990 mit hohem technischen Aufwand dem regionalen Wetter auf der Spur. "Das ist absoluter Stationsrekord." Bis 15 Uhr waren am Montag insgesamt schon 49,2 Millimeter gefallen.
Bis in die späten Abendstunden im Einsatz
Betroffen war ganz Südtondern: Ob in Niebüll, Leck, Süderlügum, Ladelund oder Emmelsbüll – überall zeigte sich das gleiche Bild: Gullis liefen über, die Hauptstraßen in Niebüll und Leck standen im Nu voller Wasser. Besonders schlimm erwischte es Niebüll. An der Brandkuhle / Ecke Lornsenstraße schlugen die Wellen, verursacht durch vorbeifahrende Autos, an die Häuserwände. Immer wieder waren die Martinshörner der Einsatzwagen zu hören. Die immensen Wassermassen, die auf die Stadt niedergingen, setzten auch die städtischen Feuerwehren und das THW in Gang, die bis in die späten Abendstunden mit insgesamt 80 Einsatzkräften unterwegs waren. Die Freiwillige Feuerwehr Langstoft unter dem Kommando von Wehrführer Uwe Hansen war mit 30 Leuten am Klinikum Niebüll und am benachbarten Schwesternwohnheim im Einsatz. In beiden Gebäudekomplexen waren die Keller vollgelaufen. Im Kriechkeller unter der Klinik stand das Wasser knapp einen Meter hoch. Teilweises Land unter auch auf dem Parkplatzgelände des Krankenhauses.
Alle Pumpen wurden benötigt
In der Feuerwache am Peter-Schmidts-Weg zog Gemeindewehrführer Uwe Mussack die Fäden und hatte weitere 50 Einsatzkräfte in mehreren Gruppen zu den nach Rot, Gelb und Grün geordneten Einsatzstellen beordert. Die rote Farbe stand für vorrangige Hilfe. Zum Einsatz kamen bei beiden Wehren alle verfügbaren Pumpen mit jeweiligen Leistungen zwischen 400 und 800 Litern pro Minute. "Damit schaffen wir eine Gesamtleistung von bis zu 6000 Litern in der Minute", rechnete Mussack vor. Bis 17 Uhr hatten beide Wehren 21 Einsätze gefahren – die FF Niebüll/Deezbüll querbeet durch die Stadt mit Schwerpunkten wie Mensa-Neubau, Fidus (alte Volksbank). Grüner Weg (hochlaufendes Abwasser) und an mehreren Adressen in der Hauptstraße sowie Osterweg, wo eine Tiefgarage vollgelaufen war. "Wir werden noch einige Stunden zu tun haben", erklärte der Gemeindewehrführer, bei dem die Drähte der Kommunikation zeitweise heißliefen – auch von Anrufern angewählt, bei denen der Heizungskeller unter Wasser stand und Öl auszulaufen drohte.
Mit Eimern und Schaufel
Alle Hände voll zu tun hatten ebenfalls Inge und Hans Petersen in der Uhlebüller Straße. Ihnen erging es wie vielen Südtonderanern. "Wir haben schon 16 volle Eimer aus unserem Keller geholt", berichtete das Paar. Das Wasser war über den Garten in einen Schacht geflossen. "Normalerweise versickert es dort", erklärte Hans Petersen. Doch dieses Mal war es zuviel. Im Nu standen 20 Zentimeter Wasser im Keller. Inge Petersen: "Wir können froh sein, wenn wir bis heute Nacht den Keller trocken haben."
Aus dem Stadtpark wurde ein See
Der Stadtpark an der Friedrich-Paulsen-Schule war nicht wiederzuerkennen: Er glich einem einzigen See. Vor der Großschlachterei "Am Stellwerk" ging nichts mehr. Die Fahrzeuge wichen über die Parkplätze der anliegenden Discounter aus, um voran zu kommen. Eine Autofahrerin, die dennoch ihr Glück versuchte, musste sich anschließend barfuß auf die Suche nach einem ihrer Nummernschilder machen. Irgendwo im brackigen Wasser entdeckte sie es und hielt es freudig in die Höhe – zur Erheiterung der Passanten.
Hallenbad geschlossen
Die Regenfälle haben alle Pumpen des Niebüller Hallenbades komplett unter Wasser gesetzt. Ernst Hinrichsen: "Das Bad bleibt deshalb am Dienstag geschlossen. Wir hoffen, dass es am Mittwoch nachmittags wieder geöffnet werden kann."
Leck: Schlimmeres verhindert
In der Zentrale der Feuerwache Leck hatte Eckhard Aust Dienst. "Wir sind seit 14.30 Uhr mit 30 bis 35 Leuten im Einsatz." Zehn Anforderungen gingen ein. "So waren bei der Druckerei C & B die Maschinen bedroht, vom Wasser betroffen waren auch das Blumengeschäft Carstensen, der Sozialladen sowie Werkraum und Trainingsraum in der Grundschule. Hinzu kamen etliche Privatwohnungen." Überall war die Feuerwehr erfolgreich, konnte Schlimmeres verhindern. "Wir haben fast alle Einsätze abgearbeitet, aber ein bisschen wird es noch dauern."
Als wäre nie etwas gewesen
Um 14.40 Uhr war der Spuk vorbei, gegen 15 Uhr schien schon wieder die Sonne – ganz so, als ob nie etwas gewesen wäre. Nur der muffige Gestank aus den Gullis blieb zurück.